ADRŠPACH

MEIN ERSTES MAL

Überall im Dorf und in den Felsen hört man es den ganzen Tag immer mal wieder: das Schienenschwein. Auch wir sind mit ihm gefahren, wenn auch nicht gerade im Schweinsgalopp. Unser erster Eindruck drang durch das Zugfenster. Hinter einer Wiese standen ein paar Felsen. Nicht klein anscheinend. Kurz darauf kamen wir am Bahnhof an wo uns Stephan schon erwartete. Der Bahnhof hat das Flair einer Gartenbahn und doch ist hier immer was los und es gibt sogar einen Schalter, in dem die Bahnhofsangestellte hinter ihrem Computer sitzt. Wie groß ist das Dorf nun eigentlich? Viele Häuser hatten wir noch nicht gesehen.
Nun, das Dörflein ist eher winzig und zieht sich nur mit wenigen Häuschen an der Hauptstraße und einem kleinen, unbefestigten Weg entlang. An dem liegt auch der Zeltplatz, auf dem wir wohnten. Oder eher hausten. Dieser zum Zeltplatz umfunktionierte Garten eines Dorfhäusleins ist recht uneben, erdig und damit bei Regen schlammig, liegt fast den ganzen Tag im Schatten des Waldes und der Felsen und dort wo Wasser zu- und abfließt war es meist sehr unsauber. Direkt vor dem Zeltgarten vorbei fährt die Bahn und hinter dem Zaun zum Wald stehen in Steinwurfweite Felsen. Hohe Felsen. Ich würde sogar sagen sehr hohe Felsen.
Den ganzen Nachmittag hatte es während unserer Anreise immer wieder geregnet und auch hier in Adršpach war alles nass und die Sonne ließ sich kaum mehr blicken. Uwe und Tino waren noch irgendwo im Gefels unterwegs, Florian saß auf dem Zeltplatz und las ein Buch und Stephan zeigte uns die Sehenswürdigkeiten des Dorfes, wie zum Beispiel den Konzum. Das erste wirklich Wichtige an diesem Abend war unser erster Besuch in der Pivnice, wo wir in den folgenden Tagen regelmäßig unser kulturelles Abendprogramm absolvierten. Der Weg von hier zurück zum Zeltplatz führt auf den Gleisen entlang, wobei es dann darum geht, wer am weitesten auf der Schiene balancieren kann. Die Zahl der gezischten Biere eines jeden Kandidaten enscheidet hier meistens den Wettbewerb. Nicht unwichtig zu wissen war außerdem, das irgendwann abends gegen neun noch ein Zug angerumpelt kam. Aber den hört man schon kilometerweit vorher und schnell sind die Teile auch nicht gerade. Wir drei waren bei dieser Balanceübung eh außenvor, denn mit KiWa macht sich das selbst bei Tageslicht wirklich schlecht.

Am nächsten Tag war das Wetter immernoch mies und mit Klettern würde nix werden. So hatten wir einen Tag, die Felsenstadt zu erkunden. Überall stehen Felsen, die meisten hoch, viele sehr hoch. Fünfzig Meter sind da nichts Besonderes. Das Gestein ist auffällig wenig quer strukturiert. Dafür gibt es hier Risse, seichte Verschneidungen, glatte Armrisse, breite Kaminschluchten und das oft von ganz unten bis ganz oben. Irgendwo entdeckt das verzweifelt suchende Auge auch mal einen Ring. Nicht selten war uns dabei nicht klar, wie so ein Ring dort bitteschön in den Felsen gefahren sein soll. Zwischen den Rissen gibt es im Normalfall
nichts, glatte Wände und nur vereinzelt Strukturen, welche a) für uns durchschnittliche Normalkletterer oft zu schlecht waren, b) allgemein von eher fraglicher Gesteinsqualität sind und c) nur im Glücksfall und meist nur zusammen mit den allgegenwärtigen Rissen eine kletterbare Linie bilden.
Aber wir waren ja zum Risse Klettern hergekommen. Von denen führt auf die meisten Gipfel etwas empor. Und wenn nicht, dann sind die Gipfel echte Bollwerke die unsere läppischen Achttausender schon fast als Anfängergipfel dastehen lassen. Die für uns machbaren Wege zeichneten sich außerdem fast ausnahmslos durch eine sehr übersichtliche Absicherbarkeit aus. Oder beeinflussten hier nur Behauptungen und abenteuerliche Überlieferungen Anderer meine Wahrnehmung? Ich jedenfalls musste mich noch ein Weilchen gedulden, denn heute war hier nichts zu machen.
Wir liefen weiter auf dem Haupttouristenrundweg entlang und besahen uns einige der beindruckendsten Türme: Bürgermeister/in, Liebespaar, Guillotine und vor allem der Zuckerhut überwältigten mich schon ein wenig. Nicht nur wegen ihrer Höhe sondern vor allem wegen ihrer Steilheit. An vielen Gipfeln gibt es einfach keine Kanzel, kein Podest oder wenigstens ein Band zum Ausruhen oder Anvisieren. Sie sind einfach glatt und man darf sich artig bedanken, wenn es immerhin einen Riss als kletterbare Linie zum Gipfel gibt. Auch ist uns aufgefallen, das die Gipfel hier scheinbar alle im Tal stehen und nicht wie bei uns am Hang oder am verwitterten Abbruch eines großen Felsrückens (obwohl genau das hier eigentlich der Fall sein dürfte). Bis ins Dorf hinein ziehen sich mehr oder weniger hohe Gipfel, die teilweise regelrecht auf der grünen Wiese stehen. Und einen Bach gibt es hier. Er ist nicht wirklich groß, vielleicht wie der Grünbach in Rathen. Naja, ein bisschen größer vielleicht. Aber dieser Bach fließt mitten durch die Felsen, manchmal in richtigen Klammen. Es gibt wohl außerdem noch zwei Wasserfälle und eine große Klamm zum Gondeln. Etwas abseits der Felsenstadt liegt ein größerer See, welcher aus einem Steinbruchloch entstanden ist. Das Baden ist hier wohl offiziell verboten aber doch sehr idyllisch. Und es war unsere fast einzige Möglichkeit mal sauber zu werden.

Am dritten Tag wurde es ernst. Obwohl es noch nicht wirklich trocken war gingen wir zu den Felsen im Himalaya. Der Name des Gebietes und auch vieler Felsen dort wirkte schon ziemlich befremdlich auf mich. Anscheinend fielen den Erschließern des Gebietes irgendwann keine Namen mehr ein. Kein Wunder: Die Zahl der Gipfel im Umkreis des Dorfes ist vierstellig und immernoch werden Quacken ausgegraben oder Bollwerke erklommen. Auch gibt es seltsamerweise kaum ¨Massive¨. Fast jedes größere Stück Felsen steht so frei, dass man nicht so ganz ohne Weiteres drauf kommt.
Und dann legte ich das erste Mal Hand an einen der sagenumwobenen Adršpacher Felsen. Auf Heldentaten legte ich erstmal keinen Wert. Alle meine Eindrücke bis jetzt machten mich gaaanz vorsichtig und zurückhaltend. Ganz so schlimm war die Flegelova cesta an der Dvorska dann doch nicht, eigentlich sogar ganz nett. Und doch war das nur ein seichtes Beginnen. Schon eher zur Sache gingīs dann an den Rissen um die Ecke. Die Namen will ich nicht erst hinschreiben, oder interessiert dich, dass die am Gipfel namens Chomolhari sind? Oder hieß der Chogolisa? Das weiß ich selber nicht mehr und bei dem isses mir auch egal. Uwes Weg zeigte mir gleich die Richtung: Von unten weg anspruchsvolle Risskletterei, die zwar gut klemmend, aber immer steil, glatt und ausgesprochen griffarm (okay, für Adr warenīs doch eher viele Griffe :) am einzigen Ring in dreiviertel Höhe nach oben führt. Auch dass der Riss oben aufgeht und man erst gewonnen hat, wenn man reinkriechen kann, scheint hier nicht untypisch zu sein. Bei Tinos Vorhaben am gleichen Felsen durfte ich dann sogar die Führung übernehmen. Aber das tat ich auch nur, weil Tino schon kurz vorm Ring einen KiKo versenkt hatte und der unserem Belastungstest von unten standhielt. Außerdem klinkte ich den Ring auch nur mit der Beschiss-Exe. Das schwerste Stück war nämlich genau das am Ring vorbei. Und steil war das Teil! Trotz Pause am Ring kam ich nur mit Not wenig höher dann in ruhigere Gefilde. Ich hatte einfach nicht mehr Kraft, die Griffe festzuhalten. Und das nach kaum zehn Metern (allerdings stark überhängendem) Hand- und Faustriss. Im Ganzen warīs aber eher gängig und Tino hätte das sicher auch selber geschafft. Mit meinem neu gewonnenen Glauben, hier doch auch mal was einsteigen zu können sollte ich später noch kräftig auflaufen...

An den folgenden beiden Tagen zeigte sich die Welt in freundlichem Sonnenschein und wir gingen mal ¨richtige¨ Ziele an. Da war zum Beispiel der Trainingsriss. Uwe hatte schon die ganze Zeit von dem Teil erzählt und es war vielleicht sein persönlicher Zettelweg für diesen Besuch in Adr. Der Weg am Krkonošovo Sedátko (Riesengebirgssitz oder Rübezahlsitz) liegt in einem Felsenkessel sehr nahe am Touristenhauptweg. Wie ernst es hier mit den geltenden Naturschutzregeln steht, merkten wir als uns ein Ranger ansprach, was wir denn hier hinter der deutlichen Absperrung machten? Kinderwagen und gespannte Hängematte, noch dazu für jeden Touristen unübersehbar, ließen in ihm bestimmt schon wieder Wut über diese ignoranten Touris aufkochen. Denn die Absperrungen entlang des Weges sind wie bei uns vor allem wegens der enormen Erosion aufgebaut. Und wir saßen da einfach dreist dahinter und schaukelten unser Kind in der Sonne! Aber wir konnten ihn schnell davon überzeugen, dass wir zum Sport Treiben angerückt waren. Ganz wohl in meiner Sonderrolle als Kletterer fühlte ich mich da, wie oft auch sonst, nicht.
Derweil war unsere halbe Mannschaft schon am zweiten Ring oder schon auf dem Weg von da zum Gipfel. Bis zum zweiten Ring hatte ich von einem Block gegenüber die Rolle des Fotografen inne. Wobei, Block... Der war höher als viele andere Gipfel und auf meinem Weg nach oben und auch wieder nach unten musste ich mich durch einen übel glitschig grünen Schulterriss schleifen. Als ich wieder unten war sah ich aus wie ein frisch gesuhltes Wildschwein. Und dann durfte ich auch noch an den Trainingsriss ein wenig Training zu treiben. Der untere Teil klemmt irgendwie nicht perfekt. Fand ich. Nur weit hinten konnte ich die Hände sicher unterbringen. Da steckte ich dann aber auch schon mit fast dem ganzen Arm im Riss und hatte mit dem restlichen Körper kaum mehr Bewegungsfreiheit. Also mir war das nix. Überm Ring kann man dann sehr bald richtig in den Riss reinkriechen und obwohl ich Schulterriss nicht zu meinen Spezialitäten zählen würde, fiel es mir dort oben leichter. Tino und Uwe sahen das natürlich, wie so oft, ganz anders. Die Querung vom zweiten Ring nach links in den einfachen Kamin fand ich am schwersten, sicher auch, weil ich nur meine alten Rissmauken anhatte. Vom Gipfel hat man einen schönen Blick über das Unterdorf und die Felsen am Eingang der Felsenstadt, so auch hinüber zum Krug. Dort betaten sich Flori und Stephan während wir Anderen den Tovaryš suchten.
Übersetzt ist das der Geselle. Der Weg auf ihn war vielleicht kein Gesellenstück, aber für V nach unseren einfachen sächsischen Vorstellungen ist hier nichts zu holen. Ich will mich nicht auf eine Zahl festlegen, aber für die zehn Meter zG muss man schon einiges zeigen, auch für die Sicherung. Belohnt wurden wir dann mit einer Zweijahresersten. Ein typischer Adr-Gipfel ist das Ding sicher nicht, aber als Quacke würde ich das auch nicht bezeichnen, da gibtīs hier viel Übleres.
Am Abend machten wir dann noch ein paar Faxen unten gleich am Eingang. Besonders Uwe und Tino hatten einen ganz besonderen Spaß. Sie bezwangen einen fünf Meter hohen Haufen, bei dem man an dem Ring unterm ¨Gipfel¨ eine sedačky veranstalten soll. Also im Ring sitzend Unterstützen. Toll! sage ich, die Felsen hier sind doch noch viel mehr Abenteuerspielplatz als bei uns zu Hause. Sowieso, richtige Regeln oder jemanden der sich darum scheren würde scheint es hier nicht zu geben. So kam es mir zumindest vor.
Es scherte sich auch niemand darum, dass ich dann auch noch einen Sack aufhängen durfte. Gleich ganz vorn am Bach auf der grünen Wiese an der Spanischen Wand. Der geknickte Riss sieht eigentlich sehr einladend aus und müsste doch für V auch irgendwie gehen, zumal er mit kaum fünfzehn Metern Höhe für hiesige Verhältnisse sehr übersichtilich ist. Nach einem dreckigem, aber gutartigem Einstiegsriss kommt ein schräger Riss, den ich als selten beschissen bezeichnen möchte. Bestimmt nur drei oder vier Meter weit muss man sich dort auf ganz besondere Art auf dem Bauch oder dem Rücken lehnend hochschleifen. Hinten drin ist der Riss sehr breit, sodass dort nix klemmt. Vorn allerdings ist er gerade so eng, dass ich nicht mit dem Arsch reinkam. Also hing ich draußen dran auf halb acht und meine rechten Ausläufer ruderten fast haltlos in der doch viel zu breiten Spalte rum. Ich glaube, wenn du das dort nicht mal gesehen hast, kannst du dir nur schwer vorstellen, wie das Teil aussehen soll. Selten beschissen eben. Dann liegt in einer großen Sanduhr ein Paar angegammelter Dauerschlingen. Als ich noch eine haltbare dazufädeln wollte verlor ich sicher noch zusätzlich Nerven. Bald war die Sicherung aber okay und ich besah mir mal das folgende Stück zum Gipfel. Von unten sah es aus wie Breithand bis Faust. Es war dann ein Armriss. Der erste Meter unten an den Füßen war ein überhängender Wandausbruch. Und ich war komplett bedient! So einen völlig ungängigen Riss für V zu verkaufen... Ich war sehr wütend und hab dort auch viele schöne Wörter verteilt. Aber wir waren ja nur zu Gast und so istīs hier nun mal. Wer so wenig drauf hat wie ich kommt eben nicht jede Fünf hoch. Außerdem wurde es schon sehr dunkel und so war mein erstes Anfassen des Ausstiegsrisses auch gleich mein letztes. Also abbauen und schnell in die Pivnice nebenan. Dort vergaß ich dann bei Pivo, Nahrung und Kartensport den Groll wenigstens für den Augenblick.

Der nächste Tag brachte wie gesagt noch einmal supi Kletterwetter und wir trollten uns nach dem Frühstück schnell in die Felsenstadt. Heute sollte Tinos Tag werden und auch Stephan hatte noch einiges vor. Uwe hatte gestern am Trainingsriss wohl wirklich seine Erfüllung gefunden und redete heute immer nur von fotografieren und sichern. Mir war eigentlich auch nicht mehr so sehr nach Heldentaten. Es standen ja zum Beispiel die beiden Gilotiny direkt um die Ecke. Wir waren an der Zuckeresse. Tino und Flori statteten ihr einen Besuch über den AW ab. Zur Kletterei mag ich nichts sagen, ich hab ja nicht mitgemacht. Aber seltsam erschien mir das schon: Einerseits waren die beiden im vermutlich entscheidenden Wandausstieg schnell unterwegs, andererseits ist der Weg mit VIIIa bewertet und wurde überhaupt erst 1980 erschlossen. Und das an diesem markanten Gipfel? Naja, jedenfalls freuten sich die beiden sehr, oben angekommen zu sein.
Ich wollte aber doch auch irgendwas machen, Stephan auch. Uwe empfahl uns den Alten Weg auf die Schildkröte. Er meinte etwas von ¨sächsisch VI¨, dabei stand im Klefü III und zwei Ringe gab es hier auch. Schaumermal. Schon die allerersten Meter sind feines Faust-, Arm- und Knierissgeschleife und darüber wird es nicht besser. Aus einem kleinen Loch vier Meter weiter oben steilt der nächste Riss empor. Diesmal eher für die Hände aber dafür war er irgendwie feuchtlich. Und Rissklemmen in Adr bedeutet ja meistens nur dass der Riss so eng wird, dass da halt was klemmen kann. Dabei bleibt der Riss schön parallel und meist auch nach außen offen. Richtige Trichter zum Einrasten sind hier eher selten. So natürlich auch hier und es war eben feuchtlich und überhaupt... nein das war mir nix. Ich möchte da jetzt auch nicht weiter drauf eingehen.
Ein paar Meter weiter steht hier der Permoníček. Daran hatte Uwe im Frühjahr einen feinen Riss entdeckt. Und den könnte ich mir doch auch mal ansehen. Wenn es nicht zu nass sei. Nun, der Einstieg war schon noch schön schleimig, aber darüber sah es gut aus. Bis auf die Sicherung. Die gibt es bis zum Ring eigentlich nicht. Ich war noch von der Schildkröte bedient und von gestern und was sollte ich denn hier sonst klettern? Ich stieg also ein. Der Einstieg war echt ekelhaft aber nur kurz bis zum Umstieg in den richtigen Riss. Der war schön trocken und klemmte auch gut. Ganz unten lag sogar ein mittelmäßige Schlinge. Meter für Meter ging es sehr gleichmäßig und mit nichts als nur dem Riss aufwärts. Ab und an musste ich meine Hände schütteln. Das Klemmen in diesen glatten, parallelen Spalten strengt mich ganz schön an. Dafür stand ich immer gut da und hatte keine Not wenn ich mal eine Hand rausnehmen musste. Bis ich an die Wulst kam. Hier stört eine Querschicht den sehr gleichförmigen Riss. Griffe oder so etwas hatte ich nicht erwartet, nur einen richtigen Klemmtrichter und vielleicht eine Schlinge. Es war eben nur eine Wulst. Diese Querschicht aber staute das Wasser des darüberliegenden Gesteins und im Riss trat dieses Wasser aus. Der schöne Trichter war nass und mit Moos bewachsen, sodass ich keine Chance hatte, den wohlgeformten Faustklemmer nur ein bisschen zu belasten. Vor allem aber lag hier keine Schlinge. Ich hätte mit nun wirklich haarsträubend fehlender Sicherung einen weiten Durchläufer über die nasse Stelle hinweg machen müssen.
Nö.
Als feststand, dass ich nicht weiter kommen würde gerieten die Freunde unten in ein großes Gewusel. Sie hatten sich alle in der Nähe niedergelassen und schauten mir zu. Dabei machte ich mit meinem bedachten, eher langsamen Kletterstil wohl nicht den besten Eindruck auf sie und die Frage, ob ich mir dort so ganz ohne Sicherung auch wirklich sicher sei hätte ich ein paar Minuten zuvor nicht mit nein beantworten sollen. Dabei dachte ich mir nichts weiter. Ich wusste ja nicht was weiter oben noch kommen könnte. In großer Eile bauten Tino und Flori eine Sicherung neben mir am Hang und Uwe machte das Seil irgendwo unten fest, nachdem sie es zu mir geworfen hatten. Ich hätte mich jetzt mit einem sicher sehr tiefen Satz in die Schwebesicherung werfen können. Aber so groß war meine Not doch nicht. So gesichert ging ich es an, den Riss wieder abzusteigen. Und siehe da: das ging richtig gut, besser sogar als hochzu. Nur an den glitschigen Einstiegsmetern war mir das Seil so richtig lieb und ich ließ mich sanft zum Boden gleiten. Danke euch nochmal für die eilige Rettungsaktion!
Das wars jetzt aber. Ich hatte die Nase voll und begann, den gutmütigen Gipfeln in Rathen oder den Affensteinen nachzuhängen. Bei dem Wetter... Und Pläne hatte ich zu Hause noch genug! Wir gingen wieder zum Camp. Als wir dort noch ein paar Quackenfaxen machten begann es zu regnen und das war dann wohl das Ende unserer Expedition.

Es regnete sich schön ein und am nächsten Morgen beschlossen wir, heim zu fahren. Es war ungemütlich kalt und nass geworden und ich glaubte schon, das sei es nun gewesen mit Klettern für dieses Jahr. Die folgenden Wochen brachten uns noch einmal höchste Freuden, ja perfekte Bedingungen und so gelang auch noch so manches Vorhaben, dem ich an Zuckeresse und Schildkröte schon nachtrauern wollte.
Mit gemischten Gefühlen verließen wir im Schienenschwein diese Perle des Klettersports. Wir hatten einfach genug und freuten uns auf zu Hause und auch auf das gutmütige Klettern für Weicheier im Elbi. Bei mir ist inzwischen der Frust verflogen, mein Kletterkönnen ist schlicht zu schlicht für Adr. Große Herausforderungen wird es hier wohl immer geben und ich denke, dass ich auch mal wieder hinfahre :)

Eine Episode unserer Rückfahrt möchte ich dir nicht vorenthalten: Im Nachtzug von Praha nach Dortmund (wir fuhren von Děčín nach Schandau mit) war in einem Wagen der Strom weg. Und nicht dass du denkst: Oberleitung, Elektrolokomotive oder zentrale Zugstromversorgung, pah, moderner Schnickschnack! Die Batterie des Waggons war alle. Ich wollte es nicht glauben, aber die Kundenbetreuerin im Fernverkehr (KiF:) machte mir dies sehr glaubhaft. Überdies und über den Stress der Techniker im weiter fahrenden Zug vergaß sie, unsere Fahrkarten zu kontrollieren. Wir hatten keine für den Fernzug... Wahrscheinlich hätten wir auch nachlösen können, aber die wolln ni.